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Neue Betätigungsfelder für Physiotherapeuten als Antwort auf die Krise in der Branche

Wie ich bereits in meinen ersten Blogbeiträgen "Irrsinn in der deutschen Physiotherapie" Teil 1 und Teil 2 geschrieben habe, steckt unsere Branche in einer tiefen Krise! Jahrelange Unterbezahlung, Marginalisierung durch die Krankenkassen, Verzögerungen und Ignoranz von notwendigen, grundlegenden Reformen durch die Politik, Fachkräftemangel, unlauterer Wettbewerb durch Kollegen und asiatische Anbieter, um nur einige der wichtigsten Themen zu nennen.

Neue Wege gehen
Physiotherapeuten sind eine kreative und zielorientierte Berufsgruppe. Unser Beruf macht selbst nach 40 Berufsjahren noch Spass, auch wenn man vielleicht insgesamt etwas kürzer tritt. Schauen Sie nur auf die alten Hasen im Fussball- oder anderen Hochleistungssportbranchen.

Je erfahrener ein Therapeut ist, desto höher sein Wert? Zu schön um wahr zu sein, denn die Wirklichkeit sieht anders aus, nicht den Wert aber den Gegenwert betreffend! Egal wie viele Fortbildungen man besucht hat, wie viele Berufsjahre geleistet wurden, generell werden Physiotherapeuten unter Wert für Ihre Arbeit bezahlt, vom Anfänger bis hin zum alten Hasen.

Wer über seinen Tellerrand schaut, kann sein Betätigungsfeld sinnvoll erweitern. Hier ein paar Beispiele:

1. Alltagsbegleitung - Einzelbetreuung nach §45a SGB XI
Durch das Pflegestärkungsgesetz aus 2015 bekommen alle Versicherten mit mindestens Pflegestufe 1 automatisch sogenannte Betreuungs- und Entlastungsleistungen zugesprochen. Bei einem Stundensatz von €25.- können bei monatlich 40 geleisteten Stunden €1.000.- Umsatz generiert werden. Nach Zahlung von Lohn- und Lohnnebenkosten für die dafür beschäftigte Aushilfskraft (bei €10.- / Stunde) bleiben ca. €500.- vor Steuern übrig. Das entspricht ungefähr einem 10-er Privatrezept mit Krankengymnastik. Mit der Alltagsbegleitung können Physiotherapeuten fachfremde Umsätze erzielen. Es können hierfür PhysiotherapeutInnen oder andere Personenkreise eingesetzt werden. In der Alltagsbegleitung erzielte Umsätze sind nach §4 Nr. 14 UStG steuerfrei. Das kommt sehr gelegen.

2. Thaimassage in der physiotherapeutischen Praxis
Sie haben es als Praxis-Inhaber satt mitansehen zu müssen, wie die Thailänderin oder Chinesin "um die Ecke" Ihre Patienten oder andere Selbstzahler mit Entspannungsmassagen versorgt und so an deren Bargeld kommt? Dann stellen Sie doch selbst eine Thailänderin ein! Was spricht denn dagegen, wenn Thailänderinnen unter der fachlichen Aufsicht eines medizinisch bestens ausgebildeten deutschen Physiotherapeuten arbeiten? Die Thailänderinnen, die bei Ihnen die Wellnessbehandlungen durchführen sollen, könnten zusätzlich durch Sie in Anatomie und Physiologie geschult werden. Das unterscheidet dann "ihre" Thailänderinnen von den Hausfrauen-Thailänderinnen, die sich Ihr Wissen am Strand von Phuket oder anderswo angeeignet haben. Die hiermit erzielten Umsätze unterliegen der Kleinunternehmer-Regelungwenn Sie nicht €17.500.- im Kalenderjahr überschreiten.

3. Massage-Kurse für Frisöre und Kosmetikerinnen
Diese beiden Berufsgruppen können von Ihren Fachkenntnissen erheblich profitieren. Eine gute Massage der Kopfhaut und des Schulter-Nacken-Bereiches ist ein wichtiger Baustein in den Serviceleistungen der Frisöre und Kosmetikerinnen und sorgt für Kundenbindung. Persönlicher Unterricht in überschaubaren Kleingruppen bis 6 Personen am Wochenende zu bezahlbaren Preisen. Das kommt an. Die hiermit erzielten Umsätze unterliegen der Kleinunternehmer-Regelung, wenn Sie nicht €17.500.- im Kalenderjahr überschreiten.

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